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Texte zum Nachdenken

Thematische Andachten im Pflegeheim ...
... mit Symbolen, Geschichten, Bildern

Worauf kommt es an im Leben? Drei Fragen eines Königs ...
Herr, die Erde ist gesegnet von dem Wohltun deiner Hand;
Güt und Milde hat geregnet; dein Geschenk bedeckt das Land.
Auf den Hügeln, in den Gründen ist dein Segen ausgestreut;
unser Warten ist gekrönet, unser Herz hast du erfreut.
(Reformiertes Kirchengesangbuch 543)

Diese Liedstrophe besingt die Grundlagen unseres Lebens und dankt dafür: die gute Schöpfung Gottes, in die auch wir Menschen zusammen mit allen anderen Geschöpfen hineingestellt sind. Je mehr man in die Jahre kommt, desto mehr fragt man sich, was der Sinn des Lebens ist, was man tun oder lassen soll, was das Richtige ist, damit man gut und geistesgegenwärtig lebt. Worauf kommt es an im Leben?

Die Geschichte „Die drei Fragen“ von Leo Tolstoj (gekürzt) versucht, eine Antwort zu geben:
Es dachte einmal ein König, nichts könnte ihm missglücken, wenn er nur immer die Zeit wüsste, in der er ein Werk anzufangen habe, und wenn er immer wüsste, mit welchen Menschen er sich einlassen solle und mit welchen nicht, und wenn er immer wüsste, welches von allen Werken das wichtigste sei.
Es kamen gelehrte Männer zum König und gaben ihm mancherlei Antworten auf seine Fragen. Auf seine erste Frage antworteten die einen: um für jedes Werk die rechte Zeit zu wissen, müsse man vorher eine Einteilung für den Tag, den Monat und das Jahr aufstellen und sich streng an das halten, was für den einzelnen Tag eingetragen sei. Andere sagten wieder anderes.
Ebenso verschieden lautete die Antwort auf die zweite Frage: die einen sagten, die unentbehrlichsten Männer seien die Staatsmänner. Andere meinten, es seien die Priester und Seher. Die dritten erklärten, es seien die Aerzte, und die vierten behaupteten, es seien die Krieger.
Auf die dritte Frage, welches das wichtigste Werk sei, antworteten die einen, das sei die Wissenschaft. Die andere sagten: es sei die Kriegskunst. Und wieder andere nannten die Gottesverehrung.
Alle Antworten waren verschieden. Daher passte dem König keine einzige von ihnen und er belohnte niemanden. Um aber doch noch genaue Antworten auf seine Frage zu erhalten, entschloss er sich, einen Einsiedler zu befragen, der für seine Weisheit sehr berühmt war.
Der Einsiedler lebte im Wald. Als der König sich dem Einsiedler näherte, grub dieser vor seiner Hütte die Gartenbeete um. Er sah den König, begrüsste ihn und grub ruhig weiter. Er war mager und schwach und keuchte schwer bei seiner Arbeit.
Der König sprach zu ihm: Ich bin zu dir gekommen, weiser Einsiedler, um dich zu bitten, mir drei Fragen zu beantworten:
Welches ist die Zeit, die man einhalten muss und nicht versäumen darf, um hinterher nichts bereuen zu müssen?
Welche Leute sind die unentbehrlichsten?
Welche Werke sind die wichtigsten und welches von allen Werken muss daher zuerst getan werden?
Der Einsiedler hörte dem König zu, sagte aber nichts und arbeitete weiter.
Du bist erschöpft, sagte der König, gib mir den Spaten und setze dich auf die Erde. -
Danke, erwiderte der Einsieder, reichte ihm den Spaten und setzte sich. Als der König zwei Beete umgegraben hatte, wiederholte er seine Fragen. Der Einsiedler antwortete nicht, stand auf und streckte die Hände nach dem Spaten aus: Jetzt ruhe du, ich will nun weiterfahren. –
Der König aber fuhr fort zu graben. Die Stunden vergingen, die Sonne begann hinter den Bäumen zu verschwinden, da steckte der König den Spaten in die Erde und sagte: Ich bin zu dir gekommen, weiser Mann, um auf meine Fragen eine Antwort zu erhalten. Wenn du nicht antworten kannst, so sag es doch, dann will ich nach Hause gehen. –
Sieh einmal, da kommt jemand gelaufen, sprach der Einsiedler, wer das wohl ist?
Der König sah, dass in der Tat aus dem Walde ein bärtiger Mann gelaufen kam. Der hielt die Hände vor den Leib und zwischen den Fingern sickerte Blut hervor. Kaum beim König angelangt, fiel er zu Boden und ächzte leise. Der König wusch und verband, so gut es ging, die tiefe Wunde. Dann trug er frisches Wasser herbei und gab dem Verwundeten zu trinken. Inzwischen war die Sonne untergegangen, und es war kühl geworden. König und Einsiedler zusammen trugen den Verwundeten in die Klause und legten ihn aufs Bett. Der Verwundete schloss die Augen und wurde still. Der König aber war so ermüdet, dass er ebenfalls einschlief. Als er am Morgen erwachte, konnte er lange nicht begreifen, wo er war und wer dieser sonderbare bärtige Mann war, der auf dem Lager lag und ihn mit leuchtenden Augen ansah.
Du kennst mich nicht, sprach er, aber ich kenne dich. Ich bin dein Feind, jener, der geschworen hat, an dir Rache zu nehmen, weil du meinen Bruder hingerichtet und meine Güter genommen hast. Ich habe dich töten wollen, und du hast mir das Leben gerettet. Von nun an will ich dir als dein treuester Sklave dienen. Verzeihe mir! –
Der König war sehr froh darüber, dass es ihm so leicht gelungen war, sich mit seinem Feinde auszusöhnen, und versprach, ihm seine Güter zurückzugeben und ihm seinen Arzt zu schicken. Als er sich vom Verwundeten verabschiedet hatte, ging er zum Einsiedler und sprach: Zum letzten Mal bitte ich dich, meine Fragen zu beantworten.
Aber du hast ja deine Antwort schon bekommen, erwiderte der Einsiedler:
Hättest du gestern nicht Mitleid mit meiner Schwachheit und diese Beete umgegraben, sondern wärst du allein zurückgegangen, so hätte dieser Mann dich überfallen, und du hättest bereut, dass du nicht bei mir geblieben bist. Somit war die richtige Zeit jene, als du die Beete umgrubst, und ich war der wichtigste Mann, und das wichtigste Werk war, mir Gutes zu tun. Dann, als jener Mann angelaufen kam, war die wichtigste Zeit, ihn zu pflegen, denn sonst wäre er verblutet, ohne dass er sich mit dir versöhnt hätte. Er war für dich der wichtigste Mensch, und das, was du ihm getan hast, war das wichtigste Werk.
Merke dir: die wichtigste Zeit ist nur eine: der AUGENBLICK. Nur über ihn haben wir Macht. Der unentbehrlichste Mensch ist der, mit dem uns der Augenblick zusammenführt; denn niemand kann wissen, ob er noch je mit einem anderen zu tun haben wird. Das wichtigste Werk ist, ihm Gutes zu erweisen, denn nur dazu ward der Mensch ins Leben gesandt.

GEBET
Starker Gott, Du Herz aller Dinge,
wir danken Dir für das Glück,
leben zu dürfen, jedes für sich, mit Dir,
mit Menschen, die man lieben darf,
mit Natur, die einen trägt.
Wir danken Dir für das Glück dieser Tage,
für die Felder voll wachsender Frucht,
für Pflanzen, Bäume, Wälder, für jedes einzelne grüne Blatt, das da ist und auch wieder welken wird, und uns so das Vergehen der Zeit lehrt, aber auch,
daß alles in Deiner Hand bleibt,
Wir sind Dir so dankbar:
Für Geborgenheit und Freundlichkeit,
für Trost und Vergebung,
für Behütung und Bewahrung,
dafür, daß andere für uns einsprangen,
andere für uns Obacht gaben.
Wir danken Dir für eine neue Woche Zeit,
und bitten um neuen Anfang. AMEN.

Pfrn Marianne C. Briner Lavater

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